Der Q-Code (Zusammengestellt von HB9ABO)

Einführung

Quellen:
Radioreglement, Anhänge 13 und 14 der Internationalen Fernmeldeunion UIT; Doc 4478-COM/501/2 Communication Procedures der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO. Anhang 1 der Vorschriften über den Bodenfunkverkehr aller Waffen der Schweizerischen Armee, Ausgabe 1952.

Verwendung
QRA bis QUZ werden von allen Diensten gebraucht; QAA bis QNZ sind für den Flugfernmeldedienst, QOA bis QQZ für den Schiffsradiodienst. Die Q-Codes der Armee sind aus der Serie QVZ bis QZZ.
Nicht aufgeführte Q-Codes sind gemäss den oben angeführten Quellen nicht zugewiesen.Einigen Q-Codes kann ein bejahender oder verneinender Sinn gegeben werden, indem unmittelbar nach der Abkürzung "c" oder "no" übermittelt wird. (qsk no)

Die Bedeutung von Q-Codes kann durch Ergänzungen wie Rufzeichen, Ortsnamen, Zeit- und Frequenzangaben etc. erweitert werden. (qrx 1600 14024). Die Stellen, wo solche ergänzende Angaben eingefügt werden, sind in der nachfolgenden Liste mit drei Punkten (...) bezeichnet.

Die Q-Codes werden zu Fragen, wenn ihnen ein Fragezeichen folgt. Die nachfolgende Liste führt die Bedeutung der Q-Codes sowohl als Frage wie auch als Antwort oder Mitteilung auf. (qsx?, qsx up 5 to 10)

Jenen Q-Codes, die mehrere nummerierte Bedeutungen haben, ist die entsprechende Nummer unmittelbar nachgestellt. (qsa1, qrk3)In einigen Fällen wurde ein erläuternder Kommentar in kursiver Schrift angeführt.
Militärische Q-Codes ausserhalb der Serie QVA-QZZ sind mit (Militär) bezeichnet.

Auf eine Gruppierung der Q-Codes nach Sachgebieten, wie man sie in einigen Reglementen sieht, wurde verzichtet zugunsten einer alphabetischen Liste, die den gesamten Q-Code aller Dienste umfasst, was die Decodierung vereinfacht. Für die Codierung erfolgt die Suche nach Sachgebieten und Begriffen am zweckmässigsten, indem diese Liste über ein elektronisches Medium mittels der entsprechenden Suchwerkzeuge konsultiert wird.



Interpretation

Mit wenigen Ausnahmen wurde der Originaltext der erwähnten Reglemente tel quel übernommen, auch wenn es sich dabei häufig um schwer lesbare, juristisch geprägte Formulierungen handelt.

Sinngemässe Übersetzung
Die meisten Q-Codes könnten indessen mit wenigen Stichwörtern sinngemäss übersetzt werden, ohne dass es zu Missverständnissen käme. (Sie sind dadurch leichter zu erlernen. Überdies entspricht das auch der Praxis im Flug- und Schiffsradiodienst, die der Autor Ende der Fünfziger und Anfang der Sechziger Jahre als Operateur der Bodenstation und Küstenstation HEZ miterlebt hat).
Für die Praxis der sinngemässen Anwendung des Q-Codes sei hier ein Beispiel aus dem oben angegebenen ICAO-Dokument angeführt: " sos ged de gabcd qta distress motors running agn". (sos ist die Prioritätsstufe für Notverkehr, ged ist die Bodenstation Croydonradio und gabcd das Flugzeug). Im Beispiel ist offensichtlich, dass mit "qta distress" 'cancel
my distress declaration' gemeint ist, obwohl QTA im gleichen Dokument mit "Cancel telegram number ... as if it had not been sent." übersetzt wird.
QTA kann somit einfach mit "cancel" übersetzt werden. Das umfasst einen ganzen Sachverhalt und ermöglicht es beispielsweise, eine Contestverbindung oder ein Telegramm oder eben eine Notsituation zu annullieren.
Als Beispiel dafür, wie Q-Codes einfacher übersetzt werden könnten, als es die offiziellen Dokumente tun, diene die folgende Auswahl:
QAP hörbereit
QGV Sichtkontakt
QRE Geschätzte Ankunftszeit
QRG Frequenz
QSM Telegramm wiederholen
QSY Frequenzwechsel
QSO Radioverbindung
QTH Standort

Verwendung im Amateurradiodienst
Die Kenntnis der nachfolgenden Q-Codes ist Voraussetzung für die Radioamateurprüfung des BAKOM:
QRA, QRG, QRH, QRI, QRK, QRL, QRM, QRN, QRO, QRP, QRQ, QRS, QRT, QRU, QRV, QRX, QRZ, QSA, QSB, QSD, QSL, QSO, QSP, QSV, QSY, QSZ, QTH, QTR

Der Vorteil des Q-Codes, einen oft komplexen Sachverhalt mit nur drei Schriftzeichen zu übermitteln, könnte im Amateurverkehr besser genutzt werden. Nebst den für die Amateurprüfung verlangten, seien auch die folgenden Q-Codes zur Verwendung empfohlen:
QAM, QAN, QAP, QAZ, QBA, QBB, QBM, QCM, QCX, QGV, QIF, QJE, QMH, QMU, QNY, QRB, QRD, QRE, QRF, QSI, QSK, QSM, QSU, QSX, QTA, QTC, QTJ, QTN, QTO, QTP, QUA.
Sie können vor allem in Schriftübermittlungen wie CW, AMTOR, PSK31, RTTY, Pactor etc. angewandt werden; einzelne darunter sind jedoch durchaus auch in Telefonieverbindungen – etwa bei Mobilbetrieb - sinnvoll. Auch für den Verkehr über automatische Stationen (in AMTOR und Pactor) bieten sich nicht wenige der oben angegebenen Q-Codes als Kommando an diese Automaten an.
Viele Q-Codes können auch in einem übertragenen Sinne eingesetzt werden: Wenn beispielsweise eine seltene DX-Station ihrem pile-up "QAR 5 QAU" übermittelt, dann sollte für die Hunderte von Anrufern klar sein, was damit gemeint ist.

Sinngemässe Anwendung oder der Gebrauch im übertragenen Sinne ist jedoch kein Freipass für eine falsche Anwendung!
Die folgenden Q-Codes werden von einem Teil der Radioamateure notorisch falsch angewendet:QRA heisst weder Familie noch Standort, sondern Name bzw. Rufzeichen!

QRL heisst nicht Arbeitsplatz, oder Berufstätigkeit sondern: Ich bin beschäftigt! D.h., wer qrl sagt, hat momentan gerade keine Zeit, die Verbindung fortzuführen. Über die Begründung sagt QRL nichts aus. QRL passt somit für alle Arten von Beschäftigtsein wie: Gleichzeitige Verbindung auf einer andern Frequenz, Telefonanruf, Besuch der Schwiegermutter, oder auch – aber nicht nur – zur Arbeit gehen.
Seit einigen Jahren benutzen manche Amateure qrl? um zu fragen: "Ist diese Frequenz besetzt?" Das ist schon eine recht weit hergeholte Interpretation von QRL. Angebracht für diese Situation ist qsu?. Dieser ungerichtete Aufruf könnte jedoch ohne weiteres weggelassen werden, indem man die interessierende Frequenz einfach abhört.

QRP meint weder eine bestimmte Sendeleistungsklasse, noch ist es ein legaler Rufzeichenzusatz! (Kein Q-Code ist ein legaler Rufzeichenzusatz!)
QRP heisst Sendeleistung vermindern (beispielsweise von 1000 W auf 100 W).
QRO heisst Sendeleistung erhöhen. (beispielsweise von 1 auf 5 W)

QRX heisst nicht Warten, sondern Rendez-vous mit Angabe von Zeit und Frequenz der verabredeten Verbindung!

QSL heisst nicht: Senden Sie mir eine Karte, sondern Ich bestätige den Empfang! Z.B. eines Contest-Rapports, eines Telegramms oder jeder anderen Übermittlung, die bei der empfangenden Station nachher in bleibender Form vorliegen soll.
(Demgegenüber bedeutet die Verkehrsabkürzung r lediglich Verstanden, etwa als Antwort auf eine betriebliche Mitteilung wie qrk2.)
In den professionellen Radiodiensten wie auch im Militär hatte das QSL eine sehr hohe Bedeutung im Sinne von: Ich habe die Nachricht vollständig erhalten und übernehme die Verantwortung für deren Weiterleitung. Ein Operateur, der nochmals auf ein Telegramm zurückkam, für das er bereits QSL gegeben hatte, verstiess gegen die Berufsehre! Dem Sendeoperateur war das qsl oft eine ersehnte Entlastung nach einer zeitraubenden, mühsamen Übermittlung mit QSZ und QSM in QRM und QSB.
Wenn beide sich Verbindungspartner der falschen Anwendung einer Q-Abkürzung bewusst sind, mag der Schaden begrenzt sein. Die reglementswidrige Anwendung ist trotzdem abzulehnen, weil sie dazu beiträgt, dass jene Amateure, die den Code korrekt anwenden mit der Zeit nicht mehr verstanden werden.



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